Warum sind wir häufig so, wie wir gar nicht sein wollen, und warum fühlen wir uns manchmal so schlecht?
Niemand ist einfach so wie er ist, alles hat seine Ursachen und Hintergründe.
Neben den lebensförderlichen und stärkenden Einflüssen, die Eltern ihren Kindern mitgeben, gibt es auch belastende. Unsere Familie und unser weiteres soziales Umfeld prägen uns häufig stärker als uns lieb ist. Größtenteils handeln wir unbewusst nach den uns vermittelten Werten, Glaubenssätzen und Überzeugungen („Aus dir wird nie etwas“, „Ich darf nicht nein sagen, sonst ist Mama traurig“, „Ich bekomme nur Zuwendung, wenn ich etwas leiste“). Das gilt unabhängig davon, ob sie für uns wahrhaft hilfreich sind oder nicht. Sie beeinflussen unser Verhalten, auch wenn wir längst schon im Erwachsenenalter sind. Weitreichende Prägungen resultieren außerdem aus Traumata und anderen intensiven Erfahrungen, auch aus unserem Umfeld.
Traumata entstehen nicht nur aus extrem überfordernden Einzelereignissen (Schocktrauma), sondern überwiegend auch aus lange andauernden belastenden Erfahrungen. Oftmals begannen sie im frühkindlichen Lebensalter (Kindheitstrauma). Diese Phänomene sind uns nur sehr begrenzt bewusst. Stressüberlastungen wie Kindheitstraumata sind allerdings im Körper, vor allem in unserem Nervensystem, langfristig gespeichert. Wenn ein Kind über einen längeren Zeitraum etwa ständigen Streit der Eltern oder Verletzungen wie Beschämung und Missachtung erlebt, kann dies tiefgreifende Spuren hinterlassen. Eine chronische Überforderung kann zu unterschiedlichsten Symptomen führen, die sich körperlich, emotional, in Beziehungen oder im Selbstwertgefühl zeigen.
Unsere Prägungen und Erfahrungen bestimmen unsere Persönlichkeitsstruktur. Wir sind keine völlig einheitliche Persönlichkeit, sondern bestehen aus verschiedensten Anteilen, die mitunter heftig im Konflikt stehen und massive Spannungen erzeugen können (Ego-State-Therapie). In Nöte geraten wir insbesondere, wenn bestimmte Anteile aus traumatischem Stress entstanden sind. Diese können sich isolieren, starr werden und andere einseitig überlagern. Dann erschweren sie die Entwicklung unserer Gesamtpersönlichkeit. Diese Prägungen führen dazu, dass wir uns bisweilen bestimmten Situationen und den dadurch ausgelösten Gefühlsstürmen und Reaktionsautomatismen hilflos ausgeliefert fühlen.